Kultur gegen biologische Funktionen:
„...we have allowed civilization to interfere with our biological functioning.“
(Dr. Alexander Kira, Cornell University School of Architecture)
 
Die Macht der Gewohnheit:
„Die Menschen bewohnen nicht Territorien, sondern Gewohnheiten“.
                                                             
„Wer sich an die Hölle gewöhnt hat, ist gegen Aufforderungen immun, sein Leben zu ändern, und wäre es im eigenen Interesse.“
 (Peter Sloterdijk, Du musst dein Leben ändern)
 

Das Sitzfleisch:
„Das Sitzfleisch ist gerade die Sünde wider den heiligen Geist.
Nur die ergangenen Gedanken haben Wert.“
(Friedrich Nietzsche)
 

 
Die Funktion der Schwerkraft :
...In glücklichen Träumen schwebt und fliegt der Mensch. Das menschliche Leben beginnt im Fruchtwasser-sorg-und schwerelos. Ein Leben lang sehnt sich der Mensch in diesen Zustand zurück. Gesundheit ist auch die Kraft, die negativen Auswirkungen der Schwerkraft auf den Körper zu verringern.
Ein Glückszustand jedoch, der zum Dauerzustand mutiert, wird zur Belastung. ...Das Paradies, zum zivilisatorischen und bürokratischen Normzustand gemacht, verkehrt sich zum Nachtmahr.
Die Raumfahrt macht diesen Alptraum in der radikalsten Form erfahrbar. Die Aufhebung der Schwerkraft lässt Muskeln und Knochen verkümmern. Der Kreislauf, als Kette von Saug-und Pumpvorrichtungen gegen die Schwerkraft angelegt, degeneriert. Das Gleichgewichtsorgan stellt sich als Mittel heraus, das nicht nur die Haltung ordnet, sondern auch das Denken. Ein Leben ohne die Erfahrung von Schwerkraft und Balance führt zu einer unvorstellbaren Unordnung zerebraler Vorgänge. Die Geschichte der Weltraumfahrt ist auch eine Geschichte der Vertuschung unvorstellbarer physiologischer und menschlicher Katastrophen. Der Weltraum erweist sich als Ort radikaler Lebensfeindlichkeit, doch der Traum vom himmlischen Paradies des Spacelab ist offensichtlich resistent gegen die Erfahrung.
Physiologische und psychologische Probleme der westlichen Welt hängen u.a. damit zusammen, dass bei unserer sitzenden Lebensform die Biomechanik des Abstützens zu statisch ist und überhand nimmt.
Was soll das heißen? Unbestritten ist für den menschlichen Körper das Sitzen auf einem Stuhl unpassend.(Vgl. dazu u.a. Tietze 1980) Im Sitzen reduziert sich die Schwerkraft auf die taktilen Erfahrungen an Oberschenkeln und Gesäß, und auf eine relativ hohe Tonisierung der Streckmuskulatur, die den sitzenden Körper solange reflexartig aufrecht hält, bis er in sich zusammenfällt und sich am Tisch und Stuhl lümmelt. Es entsteht ein Gerüst aus Verhärtungen, Verkrampfungen und Abnutzungen. Allenthalben beobachten wir die sitzbedingten „Inaktivitätsdystrophien“(Strauss a.a.O.), die nicht nur zu Deformation und vorzeitigem Verschleiß der Wirbelsäule und inneren Organe führen, sondern auch zu einer kulturellen Deformation des Denkens.(Eickhoff 1993)

Ergonomie und Bequemlichkeit

Das Ziel der Ergonomie ist ein besseres Leben...Das ergonomsische Paradies ist die DIN-Norm, die zwischen den Extremen einen Raum schafft, ein „abgesichertes“ Intervall der Menschengerechtigkeit. Belastungsabwehr schafft nach dieser Auffassung Komfort. Tatsächlich schafft man einen Ort der lauen Empfindungslosigkeit, einen Ort ohne Kontraste und körperliche Erfahrungen.
Und so geht man auch mit dem menschlichen Körper und seiner Bewegung um. Bewegungserfahrungen werden vermieden. Bewegung ist Energieverbrauch. Energieverbrauch belastet den Kreislauf und macht müde. Also spart man Bewegung und Energie und man spart so auch Platz. ...
Ergonomische Gestaltungspraxis macht also die Schwerkraft zum Feind des Menschen. Man arbeitet nicht mit ihr, man arbeitet gegen sie. Die Erfahrung von Gravitation ermüdet, und das hält man für störend. Stehende Arbeit gilt nach dieser Auffassung als unzumutbar und inhuman. Wie die sitzende Arbeit auszurüsten ist, wird in Büro und Verwaltung durch Normen geregelt.
Das DIN-genormte Bürostuhldesign reduziert den gewichtsbedingten Druck auf den Unterkörper des sitzenden Menschen durch den Einsatz von Federung, Polsterung und die abgerundete Ausformung der Sitzfläche. Zuugleich wartet der ergonomische Bürostuhl mit zahlreichen technischen Raffinessen auf, deren Absicht ist, den Oberkörper durch Wipp-und Schaukelvorrichtungen sowie anatomisch geformte Stützen für Rücken und Arm zu entlasten.
Der Drehpunkt für diese Wipp- und Schaukelbewegungen liegt in der Regel nahe dem Körperschwerpunkt. Der sitzende Körper rotiert um eine Achse, die sich in dem schmalen Raum zwischen Kniehöhe und Taille befindet. Der Büromensch schwankt also um eine Stütze, die den Körper vor der Schwerkraft schützt. Nicht die Gravitation wird in der Bewegung erfahren, sondern Flieh-und Rotationskräfte. Der ordnende Faktor Schwerkraft wird mit Hilfe von Technik ausgeschaltet.
Das ist der Komfortbegriff, der sich an der Schwerelosigkeit im Weltraum orientiert und den sitzenden Menschen zu schädlichster Passivität verurteilt. Der ergonomische Bürostuhl zwingt den Menschen zu einer letztlich andauernden Form der Unbequemlichkeit. Seine Rückenmuskulatur verkümmert. Fundamental für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen ist der aktive und subkortikale Umgang mit der Schwerkraft. Stühle, insbesondere moderne Bürostühle, lassen diese Quelle der menschlichen Leistungsfähigkeit in der Regel ungenutzt.
Im Benimmkatalog der Verwaltungen sind diese Verhaltensformen (i.e. Entlastungsbewegungen) nicht vorgesehen. Ein Mensch, der „anständig“ sitzt, realisiert einen rechten Winkel an Fuß (flache Schuhe), Knie, Hüfte und Ellenbogen. Die Füße stehen parallel auf dem Boden. Allenfalls können sie auf einer Fußbank abgestellt werden. Den Winkel an der Hüfte darf der ergonomisch „korrekt“ sitzende Mensch mit Erlaubnis der DIN-Norm, die schablonenmäßig eine mittlere, vordere und hintere Sitzhaltung vorsieht, inzwischen geringfügig korrigieren...
Kieser spricht von der „Seele der Muskeln“ und betont, dass die Leichtigkeit des Lebens mit der Leistung der Muskeln zusammenhängt. Ohne Bewegung verkümmern unsere Muskeln und ohne Muskelkraft sind wir der Schwerkraft gegenüber hilflos. Wir verschwenden unsere Energien in einem sinnlosen Kampf gegen den körperlichen Verfall.“
(Barbara Tietze, Der vertikale Horizont. Die Funktion der Schwerkraft
für Entfaltung und Wohlbefinden des Menschen. Vortrag 2003)

 

Analyse des Sitzens:
„ In unserer gewöhnlichen Sehweise hat das Sitzen seinen kulturellen Charakter abgestreift und erscheint als naturhafte Haltung. Eine Analyse des Sitzens wird dadurch erschwert, dass die Wirklichkeit den Schein aufrechterhält, da für den im Sitzen Geübten, und nur für ihn, das Sitzen komfortabler und damit natürlicher als jede andere vergleichbare Position erscheint. So gibt sich ein Objekt unter den Möbeln den Anschein, als sei es ein im höchsten Maße gewöhnliches und natürliches Möbel: der Stuhl. Allerdings kommt es gerade ihm am wenigsten zu.“
„Sitzen ist Schwerarbeit. Seine Auswirkungen: Verfestigung der Skelettmuskulatur, reduzierte und geformte Atmung und Neuordnung der Sinne zueinander. Der Stuhl fasst dabei den Sitzenden ein, legt sich wie eine Schablone auf das Vegetative und schneidet so in die Physis, dass Funktionen geformt und gehemmt werden.
Das Umlenken der Körperlast von den Füßen auf das Gesäß entlastet die Beinmuskulatur, schwächt sie aber zugleich und greift in funktionelle Zusammenhänge der Skelettmuskeln ein. Da das Sitzen die Gesäßmuskulatur chronisch verspannt und die Bein-und Rückenmuskeln schwächt, lässt sich der menschliche Leib nicht mehr dynamisch von unten nach oben aufbauen: Das Becken verliert seine Stabilität auf den Hüftgelenken, die Wirbelsäule ihre Elastizität auf dem Becken, und der Kopf ruht nicht mehr gut balanciert auf dem Atlas. Der Homo sedens verliert im Stehen seinen Halt und erlebt Sitzen zunehmend als Bedürfnis.
Sitzen führt zu Spannungen im Beckenboden, die die Kniebeugemuskeln kontrahieren und hemmend auf das Sonnengeflecht einwirken, das die Verdauung und die Atmung steuert. Gleichzeitig wird der wichtigste Einatmungsmuskel, das Zwerchfell, in der Vertikalen, seiner Hauptdehnungsrichtung, eingeschränkt und die Atmung reduziert.  So engt das Sitzen auf verschiedenen Wegen die Atmung ein und verleiht ihr einen spezifischen Rhythmus. Einmal eingeleitet, führt der Prozess rasch in die Krise, da er von zwei Seiten her, die sich wechselseitig stärken, gestützt vwird. Die Muskulatur verliert infolge einseitiger Belastungen wesentliche physiologische Eigenschaften, durch die die Atmung weiter reduziert wird, während die Einschränkung der Atemtätigkeit die Muskelverhärtungen fördert.
Atmen ist Leben und Bewegen...Die Atmung spiegelt jede Anstrengung eines Organismus und dessen Gefühl wider, und man atmet nur richtig, wenn die Muskulatur das Skelett der Schwere gemäß organisiert.. Darüber hinaus reicht die Atmung tief in vegetative Prozesse hinein. Wenig atmen heißt nicht nur, das Energieniveau richtig halten, sondern der Atem verfügt neben der Fähigkeit, die Muskeln zu festigen, auch über die Qualität, Emotionen zu regulieren. Schon Kinder wissen, dass man, um Angstgefühle zu vermeiden, den Atem anhalten muss. Von der Peripherie her wird jeder Sitzende mehr und mehr ins Innen hinein verfestigt. Der Gesamtorganismus wird über die Abnahme sowohl der willkürlich als auch der unwillkürlich gesteuerten Muskelbewegungen (Motilität) in seinem Rhythmus gestört. Und die Impulse aus dem Vegetativen sind nur noch gehemmt ausagierbar. So formt das Sitzen, das immer dem Gesamtorganismus widerfährt, von zwei Seiten her den Leib und unterwirft ihn einer neuen Ordnung. Allerdings bedarf es zur Herstellung einer so engen verschränkung von Atemtätigkeit, Haltung, Muskelbeschaffenheit und Empfindung eines regelmäßigen, in der Kindheit beginnenden, nicht eines nur sporadischen Sitzens.“ 
(Hajo Eickhoff, Himmelsthron und Schaukelstuhl)
 
Sitting down could be killing you, Tuesday 19th January 2010
Millions of us do it on a daily basis, we sit in our cars to get to work, then sit at our desks for the majority of the day before sitting back in our cars so we can get home to sit on our sofas. However, a recent study that has been published in the British Journal of Sports Medicine has shockingly claimed that long periods of sitting could be severely decreasing our health with no amount of exercise being able to help this muscular inactivity.
 
The research as conducted in Sweden by two different institutes shows how a lot of muscular inactivity-involved in long periods of sitting can only increase the risk of diseases such as cancer, diabetes but more worrying an increased risk of death! Furthermore, one of the researchers from Stockholm’s School of Sport and Health Sciences, Dr. Elin Ekblom-Bak, goes on to suggest that their research has proven what many thought previously is indeed wrong. It was previously thought that exercise would help eradicate such risks involved with prolonged muscular inactivity, but in fact such extensive periods of sitting cannot be dealt with by exercise. She does suggest that taking a five minute break to walk across the office every 45 minutes could help reduce the risks. However, with it being so easy to e-mail or phone our colleagues as opposed to walking across to them, sitting becomes much too easy. To show how significant these examinations are one only need look at a study conducted in Australia in which it was found that for every additional hour women spent sat down their risk of heart disease and diabetes grew by a quarter.
Whilst more studies are needed to confirm and extend this recent research, it does provide a worrying message to the millions of us who spent the majority of our days sat down. Equally, Dr. Ekblom-Bak insists that sitting should be signified as a risk to health on its own as opposed to being accompanied with lack of exercise. So, perhaps when you go to e-mail your colleague that telefone message today, you should instead write it on a post-it note and totter across the office to give it to them. (www.healthcentre.org.uk/sports-medicine/news/sitting down...)
 
Couchpotatoes: Fernsehen kostet Lebensjahre, 12.01.10
München (netdoktor.de) – Fernsehen ist ungesund – und zwar unabhängig vom Programm. Jede Stunde, die man täglich vor dem Fernseher hockt, erhöht das Risiko für einen vorzeitigen Tod. Zu diesem Ergebnis kommt eine australischge Studie, die im Journal ‚Circulation’ der American Heart Association veröffentlicht wurde.
David Dunstan und sein Team vom Baker IDI Heart and Diabetes Institute in Victoria werteten dazu Lebensstil und Sterberisiko von 8800 Erwachsenen aus. Das Ergebnis: Menschen, die mehr als vier Stunden täglich vor dem Fernseher verbrachten, hatten ein um 46 Prozent höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod als Personen, deren täglicher Fernsehkonsum bei unter zwei Stunden lag. Das Risiko für Herzinfarkt & Co. war für sie sogar um 80 Prozent erhöht. Insgesamt steigerte jede Stunde vor der Mattscheibe das allgemeine Risiko für einen frühen Tod um 11 Prozent, das Krebsrisiko um neun Prozent und das Risiko für einen  Herz-Kreislauf-Tod um 18 Prozent.
Die Forscher weisen darauf hin, dass andere sitzende Tätigkeiten wie Autofahren oder Arbeiten am Computer ebenso ungesund seien wie Fernsehen.
Für letzteres gaben die Daten jedoch die besten Vergleichswerte
.
(www.netdoktor.de/News/Couchpotatoes-Fernsehen-kos-11320...)
 
How television can shorten your life, January 24, 2010. Originally published in MedPÜage Today:
Too much television watching could be shortening lifespans, a study of Australian adults showed.
Aussies who reported watching four or more hours of TV a day were  46% more likely to die during a 6.6-year period than those who watched less than two hours a day, according to David Dunstan, PhD, of Monash University in Melbourne, and colleagues.
The risk of dying from cardiovascular disease during follow-up was 80% greater in the excessive viewers, although statistically, the result attained only borderline significance(=0.05), the researchers reported online in Circulation: Journal of the American Heart Association.
The associations were independent of leisure-time exercise and traditional risk factors such as smoking, poor diet, high blood pressure, and abdominal obesity.
„Sedentary living provokes coronary artery disease,“ commented Gerald Fletcher, MD, a cardiologist at the Mayo Clinic in Jacksonville, Fla., and spokesman of the American Heart Association who was not involved in the study...
According to Dunstan and his colleagues, the mechanism underlying the link between sitting and cardiometabolic risks is unclear...
Mayo’s Fletcher said studies like this might serve as a wake-up call for some patients, but he was not optimistic. „Sometimes one out of 10 people says,’Gosh, that means something and maybe I should stopp that,’but the other nine don’t,“ he commented.
(www.kevinmd.com/blog/2010/01/television-shorten-life.html)  
 
Your chair is trying to kill you
 posted by Tom Foremsky@ January 21st, 2010, 12:28 pm
You might be pleased with that cool looking Aeron chair your buns are nestled in – but it’s nothing but a stylish killer. Recent studies have shown that the amount of time you spend sitting raises your risk of dying. Sit more, die sooner. An Australian study of 8,8oo people  over a six year period found that for each hour spent sitting increased the risk of death from heart disease by one-fifth.
It can’t be long before US lawyers begin filing class-action lawsuits against well-heeled chair makers, for not warning innocent sitters that they are risking their lives.
In the near future, you might be required to sign wavers that you understand the risks before being able to buy a chair, or sit in an office chair.
(Tom Foremski: IMHO; www.blogs.zdnet.com/Foremski/...)


Neue Studie: Mediziner warnen vor langem Sitzen
Langes Sitzen könnte die Gesundheit gefährden- unabhängig davon, ob man in der Freizeit Sport treibt, wie eine Studie ergab. Die Mediziner empfehlen Büroarbeitern dringend, sich regelmäßig zu bewegen. Zugleich fordern sie ein generelles Umdenken bei ihren Fachkollegen.
London - Millionen Bewohner der Industriestaaten führen ein extrem bewegungsarmes Leben: Sie fahren morgens mit dem Auto ins Büro, verbringen dort fast den ganzen Tag im Sitzen und den Abend auf der heimischen Couch. Dass dieser Lebensstil nicht besonders gesund ist, haben zahlreiche medizinische Studien bewiesen,
Jetzt aber haben schwedische Forscher Erkenntnisse vorgelegt, die noch darüber hinausgehen: Wer übermäßig viel Zeit im Sitzen zubringt, kann die möglicherweise ungesunden Folgen nicht durch körperliche Betätigung ausgleichen. Wie das Team um Elin Ekblom-Bak vom Karolinska-Institut oin Stockholm im „British Journal of Sports Medicine“ schreibt, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen langem Sitzen und Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes sowie einem generell erhöhten Sterberisiko- und zwar selbst dann, wenn man sich in der Freizeit sportlich betätigt.
Es sei wichtiger, die Muskeln überhaupt zu bewegen, als sie besonders viel oder schwer arbeiten zu lassen, betonen die schwedischen Forscher. Sie fordern gar ein „neues Paradigma in der Physiologie der Inaktivität“ und drängen ihre Fachkollegen, die Definition eines bewegungsarmen Lebensstils zu überdenken....
„Jeder kennt die Vorteile von regelmäßiger Bewegung“, sagte Ekblom-Bak der Britischen Zeitung „The Independent“. „Weniger bekannt ist bisher, dass lange Phasen des Sitzens ein zusätzliches Risiko bedeuten, das man nicht durch körperliche Betätigung ausgleichen kann.“
Die Mediziner empfehlen Büromenschen dennoch, alle 45 Minuten aufzustehen und sich fünf Minuten lang zu bewegen. Dazu reiche schon der Gang zum Drucker oder zur Kaffeemaschine aus.   
(www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,00.html, 23.1.2010)
 
 Medizin: Fernsehen verkürzt das Leben
Victoria – Wer täglich mehrere Stunden bewegungslos vor dem Fernseher verbringt, stirbt früher. Nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie in Circulation (2010) steigt mit jeder Stunde vor dem Bildschirm das Sterberisiko um 11 Prozent, wobei neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen (plus 18 Prozent) auch das Krebsrisiko (plus 9 Prozent) erhöht ist.
Die Zahlen stammen aus einer Auswertung der Australian Diabetes, Obesity and Lifestyle Study (AusDiab), die 8.800 Erwachsene (über 25 Jahre) nach ihren Fernsehgewohnheiten befragt hat – diese Angaben aber in keiner Weise überprüft hat.
In den folgenden 6,6 Jahren kam es zu 284 Todesfällen, von denen 87 durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 125 durch Krebs verursacht wurden. Beide traten bevorzugt bei Personen mit hohem Fernsehkonsum auf: Das Sterberisiko steigt mit der Dosis: Mehr als vier Stunden am Tag erhöhten das Sterberisiko um 46 Prozent, der Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen trat zu 80 Prozent häufiger auf gegenüber Personen, die weniger als zwei Stunden fernsahen.
Betroffen waren auch Menschen, die nicht rauchten, deren Blutdruck und Cholesterin nicht erhöht war, die sich gesund ernährten, kein Übergewicht hatten und in der Freizeit Sport trieben. Nichts kann die negativen Auswirkungen der allgemeinen Bewegungslosigkeit vor dem Bildschirm kompensieren, berichtet der Leitautor David Dunstan vom Baker IDI Heart and Diabetes Institute in Victoria/Australien.
Er warnt: Computerarbeit oder auch die Lektüre eines spannenden Buches könnten die gleichen Auswirkungen haben. Er rät die Fernbedienung zu entsorgen, vor dem Fernseher leichte Hausarbeiten durchzuführen und den Computer im Stehen zu bedienen.
(© rme/aerzteblatt.de, 07.02.2010)
 
Die Arthrose:
Die Therapie der Arthrose, Volkskrankheit Nummer eins, verschlingt Unsummen Geld, ohne dabei die Arthrose wirklich zu therapieren. Tatsächlich hat sich die Medizin mit der angeblichen Unheilbarkeit der Arthrose abgefunden. Das Heil der Therapie wird im künstlichen Gelenkersatz gesucht und der Ersatz des Gelenkes wird als Therapie des Gelenkes angepriesen...
Wieso haben Gewichtheber oder Sumo-Ringer eigentlich keine Arthrose in den Kniegelenken oder Hüftgelenken? Wieso ist deren Wirbelsäule nicht schon längst zusammengebrochen? Wieso finden sich die meisten Hüftarthrosen bei Schreibtischarbeitern?
...der Gelenkknorpel ist wie ein Schwamm aufgebaut. Wenn er zusammengedrückt wird, kommt die darinliegende Flüssigkeit heraus. Anschließend kann der Knorpel sich wieder voll saugen. So entsteht ein einfacher Pumpmechanismus, welcher die Ernährungsgrundlage des Knorpels ist. Fehlt diese Pumpe, dann verhungert der Knorpel, er verschwindet, wir haben die Arthrose.
Zusammendrücken kann sich der Knorpel nicht von alleine. Er muss von außen gequetscht werden, wie eine Zitrone auch. Zusammengedrückt werden kann ein Gelenk jedoch nicht, wenn es nicht benutzt wird. Erst die Beanspruchung bringt ein Gelenk in Bewegung und setzt den Knorpel unter Druck und sorgt damit für dessen Ernährung. Die wechselseitige Belastung und Entlastung ist die Lebensgrundlage des Gelenkknorpels. Fällt diese aus, dann verhungert der Knorpel, die Arthrose entsteht. Wenn ein Bein drei Wochen im Gips liegt, dann entsteht eine Arthrose im Kniegelenk. Dies nennt sich Inaktivitätsarthrose. Wird das Bein wieder bewegt, dann verschwindet diese Arthrose wieder von alleine. Dies ist der Medizin seit Jahrzehnten bekannt. Was für das Gipsbein gilt, gilt auch für den ganzen Körper. Bewegung und Belastung statt Schonung und Ruhigstellung führt zur Heilung der Arthrose...
Danach liegt es in der Verantwortung des Patienten selbst, den eigenen Körper soweit in Funktion zu halten, dass seine eigenen Gelenke nicht bei lebendigem Leib absterben und in den Arthrosezustand übergehen, sondern an den Tätigkeiten des Körpers beteiligt werden und sich entwickeln und aufbauen können. (Dr. med. Walter Packi, Die Logik der Schmerzenwww.biokinematik.de/html/Inhalt/Verschiedenes/Arthrose%201)
 
„Unspezifische Rückenschmerzen“:
Unter Fachleuten ist unstrittig, dass bei über 90% der Beschwerden keine eindeutigen körperlichen Ursachen vorliegen, die die Schmerzen hineichend erklären. Deshalb werden sie auch als “unspezifische Rückenschmerzen“ bezeichnet, im Gegensatz zu den „spezifischen“, die aus körperlichen Befunden erklärbar scheinen.
Glücklicherweise heilen akute unspezifische Rückenschmerzen „von selbst“, solange sie noch nicht chronisch geworden sind. Allerdings ist ein wiederholtes Auftreten möglich, (www.relaxter-ruecken.de/3.html)
 
„After four hours of sitting, the body starts to send harmful signals.“
Wer übermäßig viel Zeit im Sitzen zubringt, kann die möglicherweise ungesunden Folgen nicht durch körperliche Betätigung ausgleichen; es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen langem Sitzen und Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes sowie einem generell erhöhten Sterberisiko und zwar selbst dann, wenn man sich in der Freizeit sportlich betätigt.“ „People should keep exercising because that has a lot of benefits, but when they’re in the office, they should try to interrupt sitting as often as possible. Don’t just send your colleague an e-mail. Walk over and talk to him. Standing up.“
(Elin Ekblom-Bak, British Journal of Sports Medicine, 20.1.1010)

Sitzen im rechten Winkel

Eine schottische Studie des Woodend Hospitals in Aberdeen ergab: Aufrechtes 
Sitzen im Winkel von 90° ist für den Rücken eher schädlich, optimal ist ein Sitzwinkel von 135°.
 
Deutschland: Nahezu 16,3 Mio. Beschäftigte arbeiten an einem Büro-Arbeitsplatz. Der chronische Rückenschmerz hat Arbeitsunfälle und Frühverrentungen in erheblichem Maße zur Folge und verursacht jährlich Kosten in Höhe von 26 Mia. Euro. 3,5 Mia. kostet die Behandlung der Rückenbeschwerden. In Deutschland leidet jeder dritte Erwachsene an Rückenschmerzen.
 
Unhealthy effect of sitting for long periods of time
„Even if somebody has a healthy weight, sitting for long periods of time still has an unhealthy effect on blood sugar and blood fats.“ The implication of these findings is that the extraordinary amount of sitting can undo the good effects that we know are a benefit when we get regular exercise.“ Eine Untersuchung von Lebensstil und Sterberisiko von 8800 Erwachsenen ergab: Menschen, die mehr als 4 Stunden täglich vor dem Fernseher verbrachten, hatten ein um 46% höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod als Personen, deren täglicher Fernsehkonsum unter zwei Stunden lag. Das Risiko für Herzinfarkt und Co. war für sie sogar um 80% erhöht. Insgesamt steigerte jede Stunde vor der Mattscheibe das allgemeine Risiko für einen Tod um 11%, das Krebsrisiko um 9% und das Risiko für einen Her-Kreislauf-Tod um 18%. Andere sitzende Tätigkeiten wie Autofahren oder Arbeiten am Computer sind ebenso ungesund. „Der menschliche Körper ist darauf nausgerichtet, sich zu bewegen, und nicht darauf, längere Zeit herumzusitzen.“
(David Dunstan, Baker IDI Heart and Diabetes Institute, Victoria, Australia)
 
Higher death risk
In a study published last year that tracked more than 17,000 Canadians for about a dozen years, researchers found people who sat more had a higher death risk, independently of whether or not they exercised. „We don’t have enough evidence yet to say how much sitting is bad,“ said Peter Katzmarzyk of the Pennington Biomedical Research Center in Baton Rouge, who led the Canadian study.“But it seems the more you can get up and interrupt this sedentary behavior, the better.“ (Katzmarzyk, P.T., Church, T.S.,Craig, L.C.,&Bouchard, C. (2009). Sitting time and Mortality from All Causes, Cardiovascular Disease, and Cancer. Medicine and Science in Sports and Exercise, 41(5),998-1005)
 
Sitting time and mortality
A new study by Canadian researchers published in theis month’s Medicine and Science in Sport and Exercise looks at this very topic. The study was performed by Peter Katzmarzyk and colleagues at the Pennington Biomedical Research Center, and examined the links between time spent sitting (at school, work, and at home) and mortality in a representative sample of more than 17,ooo Canadians. They report that time spent sitting was associated with increased risk of all-cause and cardiovasular disease mortality (there was no association between sitting and cancer deaths). In fact, individuals who sat the most were roughly 50% more likely to die during the follow-up period than individuals who sat the least, even after controlling for age, smoking, and physical activity levels...
These findings have far-reaching implications. The vast majority of people in Western society are sedentary throughout the work day. Instead of focussing all our efforts on increasing time spent being physically active, should we instead try to convince people to be less sedentary? Should we drastically restructure our work environments? ...
Is this yet another reason to consider new types of physical activity interventions?
(Can sitting too long kill you? Posted by Travis Saunders. www.obesitypanacea/2009/04/can-sitting-too-long-kill-you...
Which sitting position is the best? 
„Do you ever wonder which sitting position is the best? It’s always the next one.“
„If we accept that we have become a sitting society, how shall we adapt our surroundings so that life in a chair shall be more pleasant and healthy?“                                 
(Peter Opsvik)
 
„An Arbeitsplätzen mit integrierten Stehpulten verbringen die Mitarbeiter/-innen nur noch 56 Prozent ihrer Arbeitszeit im Sitzen, 24 Prozent im Gehen und 20 Prozent in Bewegung. Das ergaben Studien. Außerdem wurde dabei festgestellt: Es kann zwar drei bis vier Monate dauern, bis sich ein neues Arbeitsverhalten entwickelt hat, aber die verhaltensändernde Wirkung bleibt danach stabil.““Als positiv haben sich zwei bis vier Haltungswechsel in der Stunde erwiesen.“
„Die Steh-Sitz-Dynamik hat einiges zu bieten:
• sie verändert das Bewegungsverhalten und vermeidet Haltungsmonotonien
• Sie aktiviert das Herz-Kreislauf-und vegetative System und beugt Muskelinaktivität vor.
• Sie hilft, gesundheitliche Beschwerden nachhaltig zu reduzieren.
• Sie fördert Motivation und Leistung
• Sie führt zu einem dynamischen, effizienten Arbeitsstil.
• Sie spart Kosten.“                                              
(Ulla Wittig-Goetz, www.ergo-online.de)
 
 Die Venen
Die Tätigkeit der Muskulatur ist für den Abfluss der Beinvenen besonders wichtig. Bei Menschen, die hauptsächlich sitzen oder lange Zeit unbeweglich stehen müssen, ist der Blutabfluss behindert; es kommt zu Stauungen: die Hautvenen werden weit und geschlängelt, das Blut noch kohlensäurereicher, was den Gefäßen ein besonders dunkelblaues Aussehen verleiht. Der Blutzufluss zu den Haargefäßen stagniert ebenfalls; so werden dann die Gewebe nicht genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, und die Muskulatur neigt zu Krämpfen. Deshalb heißen diese gestauten Venen Krampfadern. Eine geringe Entzündung kann dabei wegen der schlechten Kreislaufverhältnisse zum schlechtheilenden, mächtigen Geschwür werden.“...
„Das Oberschenkelbein (Femur) ist der stärkste und größte Knochen des menschlichen Körpers; seine Länge schwankt in relativ größerem Ausmaß als die anderen Körperknochen....
Als Beuger am Hüftgelenk kommt vor allem der Hüftlendenmuskel (M. iliopsoas) in Frage. Er besteht aus zwei Teilen: Der Lendenmuskel (M. psoas) entspringt von den Seiten der Lendenwirbel und des letzten Brustwirbels; die beiden Lendenmuskeln liegen an den Seiten der Wirbelsäule und bilden damit einen Teil der Bauchhöhlenrückwand. Der Innere Hüftmuskel (M. iliacus) entspringt von der Innenseite der Darmbeinschaufel...
Der wichtigste Strecker am Hüftgelenk ist der Große Gesäßmuskel. Er entspringt von der hinteren Außenseite des Darmbeins, vom Kreuz-und Steißbein...Er ist nicht nur bei der Aufrichtung in der Hüfte aus gebeugter Stellung notwendig, sondern auch für die Aufrechthaltung; er kommt deswegen nur beim Menschen in dieser Stärke vor. Außerdem ist er der Hauptmuskel für die Rückführung des Beines beim Gehen und Steigen. Beim Treppensteigen hat er die Aufgabe, mit der Durchstreckung der Hüfte das Körpergewicht in die Höhe zu heben.“                                     
(Mörike- Mergenthaler, Biologie des Menschen
)  

Sitzen ist die ungesündeste Ruhehaltung
„Anzunehmen, dass die Sitzhaltung die beste aller Arbeitshaltungen ist, scheint nicht gerechtfertigt zu sein. So stellt ein prominenter deutscher Ergonom etwa fest:“Das Sitzen ist die ungesündeste Ruhehaltung. Der menschliche Körper ist entwicklungsgeschichtlich für das Gehen prädestiniert, für dynamische kraftvolle Bewegung und gelegentliches Ausruhen in unterschiedlichen Körperhaltungen“. Weiters führt er jedoch aus:“Das Sitzen ist leider die einzige Methode, den Körper für ortsfeste Arbeiten geeignet zu unterstützen.“ Diese konträren Aussagen sind sicherlich dazu geeignet anzudeuten, dass sich für die Gestaltung des Sitzarbeitsplatzes keineswegs eine eindeutige „richtige Lösung“ anbieten kann.“                           
(Walter Hackl-Gruber, Ergonomie aktuell)

 
"Herumwetzen"
„Gegen die rein statische Betrachtungsweise der idealen Sitzposition spricht auch noch das Bedürfnis des Zentralnervensystems nach einer andauernden Änderung der Informationsmuster aus den Rezeptoren. Gleichartige und gleichmäßige Informationen wie die Fixierung der Wirbelsäule in der gleichen Sitzhaltung ermüden...Durch die Haltungsänderungen erreicht der Bewegungsapparat andauernd örtliche und zeitliche Verschiebungen der Belastungsspitzen.“ Nach diesem Prinzip folgen die sogenannten Ausgleichsbewegungen, beim Kind das unruhige Sitzen, das die Lehrerin auch als „Herumwetzen“ bezeichnet.
Ein Sitzmöbel muss die Möglichkeit bieten, eine Normalhaltung beim Sitzen zu gewähren, darüber hinaus Ausgleichsbewegungen oder Änderungen der Sitzpositionen zu gestatten.“                                                               
(Dr. med. Hans Tilscher, Ergonomie der Sitzmöbel)       

 

Organisatorischer Schwachsinn Sitzen
„Prinzipiell ist das Stehen dem Sitzen vorzuziehen, die Steher kriegen aber Probleme mit den Knien; das Sitzen müsste man möglichst reduzieren; nirgends steht geschrieben, dass man in der Schule ständig sitzen muss; das ist ein Vorwurf an die Schule, dass man sich aus dem organisatorischen Schwachsinn Sitzen ein bisserl löst....Sitzen ist etwas ganz Dämonisches, weil es die Bandscheiben so stark belastet. Wir brauchen ausreichend Zeit, unsere Bandscheiben zu regeneriern und wer viel sitzt, braucht dazu umso länger. Dann müssten die Regenerationsphasen länger werden, sie werden aber nicht länger....im Liegen saugt die Bandscheibe Flüssigkeit auf...Autosesselhersteller haben keine Ahnung von Orthopädie. Die Sitze sind der Fehlhaltung möglichst angepasst, man sitzt genauso drin, wie man es nicht haben will. ..Wenn ich weiß, dass etwas nicht gut ist, dann muss ich das ändern. An das Sitzen kann man sich nicht anpassen, das Sitzen ist eine Noxe, ist schlecht für Hüfte und Kreuz und muss bekämpft werden... Das Problem der hierarchischen Häuser wie der Krankenkassen ist die Veränderung.“           
(Dr. med. Martin Pinsker, Wien)

 

Menschen ohne Unterleib
„Die Verrechtlichung ergonomischer Erkenntnisse suggeriert Gerechtigkeit, die jedoch von der Realität nicht eingelöst werden kann.  Der Stuhl, der den gesetzlichen Anforderungen genügt, ist vor allem ein Massenprodukt. Seine Anpassung an die Bedürfnisse und den Körperbau des Menschen ist Augenwischerei und allenfalls eine statistische Fiktion...
Die Leitvorstellung für eine angeblich gute Körperhaltung ist der rechte Winkel – und zwar im Knie, in der Hüfte und im Ellenbogen. Die Füße sind ein Körperteil, das man auf dem Boden bzw. unter dem Tisch abstellt. Das Leben auf dem Bürostuhl findet lediglich oberhalb der Gürtellinie statt, es besteht aus einer vorderen, hinteren und mittleren Sitzhaltung. Das neue „dynamische“ Sitzen wird als Wechsel zwischen diesen drei Haltungen beschrieben. Unterhalb der Gürtellinie befinden sich die Druckstellen...
Der moderne Bürostuhl mit seiner langen Forschungsgeschichte ist ein eher tragisches Möbel...Der Fuß ist ein Maßstab für Lebensqualität...Und doch: Weder Umweltplanung,  noch Architektur und Innenarchitektur, weder das Möbeldesign noch die Kultur der Büromaschinen lassen eine nennenswerte Phantasie für die Körperteile erkennen, die sich unterhalb des Bauchnabels befinden....
Man reduziere die Muskelarbeit und die Bewegungen. Das ist die Botschaft der Ergonomen. So wird ein „menschengerechter“Arbeitsplatz heute organisiert: Als gut gilt eine Arbeit im Sitzen...
Wenn man körperliche Erfahrungen einseitig wegrationalisiert, sinkt die Kreativität, es sinkt die Konzentration, es steigen die Ermüdbarkeit und die mentale Belastung. An die Stelle der Erschöpfung tritt der Stress, und der ist nicht naturwissenschaftlich „messbar“ und damit nicht mehr relevant. Es enstehen darüber hinaus Gesundheitsprobleme insbesondere im Wirbelsäulenbereich, die nicht dadurch auszuräumen sind, dass man den Stuhl verbessert. Es müssen vielmehr Arbeitsabläufe geschaffen werden, die auch positive Herausforderungen für den Körper des Menschen darstellen...
Bislang waren es hauptsächlich Frauen, die den einseitigen Belastungen der sitzenden Arbeit an Büromaschinen ausgesetzt waren. Das wird sich in naher Zukunft durch die Verbreitung des Computers auf Sachbearbeiterebene vermutlich ändern...
Für den Menschen schädlich sind Corporate-Identity-Konzepte, die zu der einheitlichen Möblierung mit einer Sorte Bürostuhl zwingen. Derzeit sind Bürostühle durchweg suboptimal konstruiert, da sie nicht auf die Dynamik der Fußbewegungen eingerichtet sind. Förderlich sind Arbeitsabläufe, die verschiedene Stühle und gelegentlich auch stehendes Arbeiten vorsehen. Auch zum Stehpult jedoch muss erste eine neue Generation von addierbaren oder auch integrierten“Fußmöbeln“ entwickelt werden, die ein abwechslungsreiches Stehen ermöglicht.“                          
(Barbara Tietze, Menschen ohne Unterleib)

Kritik an ergonomischen Planungen für das moderne Büro

„Ergonomisch ist also eine möglichst heterogene Möblierung mit Wahlmöglichkeiten zu fordern, die mit einer Stehtischkultur kombiniert wird.“
(Barbara Tietze, Das Büro der Zukunft)

 

Behinderter Stoffwechsel
„Dieser Transport (der Aufbau-und Abbaustoffe) wird durch sich dauernd verändernde Druckwerte in unseren Geweben garantiert...Durch sich verändernde Kräfte in den Geweben wird der Stofftransport in ihnen und in ihrer Umgebung gefördert. Bei einer über längere Zeit gleichbleibenden Haltung wird der Stoffwechseltransport behindert...
Dem natürlichen Bewegungstrieb der Kinder muss deshalb auch während des Unterrichts Raum gegeben werden. Kinder verhalten sich spontan physiologisch. Auch aus diesen Gründen müssen die Pausen aktiv gestaltet werden.
(
Dr. med. Bruno Baviera, Dem natürlichen Bewegungsdrang Raum geben. Grundlagen zur Haltungsschulung)
 

Die besten Schulmöbel
„Mit dem Eintritt in die Schule beginnt für das Kind eine völlig neue „Umwelt“ und Lebensweise. Das Kind wird gezwungen, viele Stunden täglich still zu sitzen und sich möglichst wenig zu bewegen. Wenn schon diese erzwungene Bewegungsarmut für die körperliche (und geistige?) Entwicklung ungünstig ist, so muss das lange „Sitzen“ als direkt schädlich bezeichnet werden...
Überhaupt muss die europäische Art des Sitzens als durchaus unphysiologisch bezeichnet werden, da sie mit einer Beckenkippung nach rückwärts verbunden ist. Was z.B. die Wirbelsäule und die „Haltungsmechanismen“ betrifft, ist der sogenannte „Türkensitz“ wesentlich physiologischer, noch mehr aber der „Reitsitz“. Dies wusste auch GOETHE, der bekanntlich einen Reitssattel auf einem hohen Hocker benutzte, wenn er an seinem Schreibpult (mit schräggestellter Pultfläche“) arbeitete. Diese Form der Sitzhaltung, die am wenigsten „ermüdet“, wird auch ähnlich von vielen Chirurgen beim Operieren eingenommen...
Kein Sport, kein Militärdienst, kein Beruf, keine Freizeitbeschäftigung kann gutmachen, was während der Schuljahre teils versäumt, teils geschädigt worden ist.
H. Spitzy hat vor dem Ersten Weltkrieg erklärt, die „besten Schulmöbel seien jene, in welchen die Kinder nicht sitzen müssen!““             
(Dr. med. Hermann Neugebauer, Diagnose, Prävention und Therapie
von Haltungsschäden bei der österreichischen Schuljugend)

 
„Leider haben unsere Kinder kein großes Interesse mehr am Sport. Viele sind durch langes Sitzen in der Schule und zu Hause an den Hausaufgaben und durch Fernsehen und Computerspiele in der Freizeit so entwöhnt von jeder körperlichen Anstrengung, dass sie mit allen möglichen Ausreden versuchen, sich von der Sportstunde, in vielen Fällen der einzigen Bewegungszeit, zu drücken.“        
(Brigitte Glas, Schafft den Schulsport ab!)

 
Zwangshaltungen
„Der Angestellte wird am Bildschirm-Arbeitsplatz zu einem Teil eines Mensch-Maschine-Systems, was unter anderem mit längerdauernden Zwangshaltungen verbunden ist. Zwangshaltungen sind in ergonomischer Sicht statische Haltearbeit der Muskulatur, bei welcher die Durchblutung und damit die Regenerationsvorgänge gedrosselt sind. Aus diesem Grunde treten nach längerdauernden Zwangshaltungen schmerzhafte Ermüdungserscheinungen in der belasteten Muskulatur auf.
Dauern die Zwangshaltungen über Monate und Jahre an, so können Verkrampfungen und Verhärtungen der Muskeln sowie entzündliche Prozesse in den Gelenken oder an den Sehnen auftreten. Diese gesundheitlichen Störungen müssen als krankhafte Abnutzungserscheinungen des Bewegungsapparates gewertet werden.“         
(Etienne Grandjean, Ergonomie am Bildschirm-Arbeitsplatz)

 Bequem sitzen
„Stühle sind die Stützen der Gesellschaft. Krücken wäre vielleicht das passendere Wort. Am Strand oder in den Bergen bringen wir es fertig, für die Dauer eines Picknicks ohne Lehne auszukommen. Nicht so im täglichen Leben. So selbstverständlich erscheint uns diese Abhängigkeit von Stühlen, dass es uns nicht einfallen würde, unser Anlehnungsbedürfnis als kulturelles Gebrechen zu erkennen. Die vermeintliche Unentbehrlichkeit des Stuhls hat ihn zum Symbol der westlichen   Zivilisation gemacht und somit gegen Kritik gefeit.
Der Begriff der Bequemlichkeit ist nicht nur dehnbar, er ist schlechthin undefinierbar. Nichtsdestoweniger ist „bequem sitzen“ der Inbegriff des Wohlbehagens. Dieses Behagen, das wir dem Anlehnen zuschreiben, ist jedoch, wie so ziemlich alles, was Komfort betrifft, auf nichts Konkretes gegründet als auf ein allgemeines Übereinkommen, und da wir nun einmal unsere Bequemlichkeit nicht aufgeben wollen, haben wir sie mit eine wenig Selbstbetrug zu einem Attribut von Überlegenheit pervertiert. Kein Wunder, dass wir auf Menschen, die ein sesselloses Dasein führen, herabschauen. Obzwar das Sitzen auf Stühlen eine anerzogene Gewohnheit ist, lässt sie sich nicht weniger schwer abschütteln als die Abhängigkeit von Drogen. Das Wort „Bequemlichkeit“ zerfließt wie ein Bonbon auf der Zunge all jener Menschen, die unsere Wohnkultur besingen. Es ist ein Schlagwort, das alljährlich Millionen von Sitzgelegenheiten verkauft. Bequemlichkeit hat zusehends die Bedeutung von Unbeweglichkeit angenommen und ist schließlich zu einem Euphemismus für Trägheit geworden.
Die Frage nach der Zweckmäßigkeit(der Möbel) kommt gar nicht auf. Besonders der Stuhl – ein Danaergeschenk – hat unsere blinde Devotion.
Das goldene Kindesalter ist eine Zeit von Ermahnungen und Drohungen, Zwangsfütterung und erzwungenem Stillhalten, denn „artig sitzen“ ist ein Gebot des guten Benehmens. Doch ist  von den sado-pädagogischen Folterinstrumenten früherer Generationen, den Geradehaltern und Miedern, den Käfigen, die als Gehschule dienen, nur mehr der Kindersessel übriggeblieben.“                             
(Bernard Rudofsky, Sparta/Sybaris. Keine neue Bauweise, eine neue Lebensweise tut not)

 
„So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung – in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden, Das Sitzfleisch – ich sage es noch einmal – ist die heilige Sünde wider den heiligen Geist. Nur die ergangenen Gedanken haben Wert.“   
(Friedrich Nietzsche, Ecce homo)

„Wer dort, wo man heute gewohnheitsmäßig sitzt, steht,  stellt sich gegen die geistigen Ideale unserer Kultur und verstößt gegen ihre symbolische Ordnung.“
(Hajo Eickhoff – Stehen)     

„Insbesondere die Füße, die im Stehen stärker in Anspruch genommen werden, sind an die erhöhte Beanspruchung nicht gewöhnt. Deshalb gehört zu einem Stehpult, das man beruflich nutzt, ein Fußboden, der dem Drang der Füße nach vielfältigen Bodenerfahrungen entgegenkommen kann und die entwöhnten Füße wieder belastbar macht; durch raue und reliefartige Oberflächen, unterschiedliche Materialien und durch schuhloses Stehen.“                                                                                 
 (Hajo Eickhoff, ebd.)

"Ergonomische" Praxis

...In glücklichen Träumen schwebt und fliegt der Mensch. Das menschliche Leben beginnt im Fruchtwasser-sorg-und schwerelos. Ein Leben lang sehnt sich der Mensch in diesen Zustand zurück. Gesundheit ist auch die Kraft, die negativen Auswirkungen der Schwerkraft auf den Körper zu verringern.
Ein Glückszustand jedoch, der zum Dauerzustand mutiert, wird zur Belastung. ...Das Paradies, zum zivilisatorischen und bürokratischen Normzustand gemacht, verkehrt sich zum Nachtmahr.

Die Raumfahrt macht diesen Alptraum in der radikalsten Form erfahrbar. Die Aufhebung der Schwerkraft lässt Muskeln und Knochen verkümmern. Der Kreislauf, als Kette von Saug-und Pumpvorrichtungen gegen die Schwerkraft angelegt, degeneriert. Das Gleichgewichtsorgan stellt sich als Mittel heraus, das nicht nur die Haltung ordnet, sondern auch das Denken. Ein Leben ohne die Erfahrung von Schwerkraft und Balance führt zu einer unvorstellbaren Unordnung zerebraler Vorgänge. Die Geschichte der Weltraumfahrt ist auch eine Geschichte der Vertuschung unvorstellbarer physiologischer und menschlicher Katastrophen. Der Weltraum erweist sich als Ort radikaler Lebensfeindlichkeit, doch der Traum vom himmlischen Paradies des Spacelab ist offensichtlich resistent gegen die Erfahrung.
Physiologische und psychologische Probleme der westlichen Welt hängen u.a. damit zusammen, dass bei unserer sitzenden Lebensform die Biomechanik des Abstützens zu statisch ist und überhand nimmt.

Was soll das heißen? Unbestritten ist für den menschlichen Körper das Sitzen auf einem Stuhl unpassend.(Vgl. dazu u.a. Tietze 1980) Im Sitzen reduziert sich die Schwerkraft auf die taktilen Erfahrungen an Oberschenkeln und Gesäß, und auf eine relativ hohe Tonisierung der Streckmuskulatur, die den sitzenden Körper solange reflexartig aufrecht hält, bis er in sich zusammenfällt und sich am Tisch und Stuhl lümmelt. Es entsteht ein Gerüst aus Verhärtungen, Verkrampfungen und Abnutzungen. Allenthalben beobachten wir die sitzbedingten „Inaktivitätsdystrophien“(Strauss a.a.O.), die nicht nur zu Deformation und vorzeitigem Verschleiß der Wirbelsäule und inneren Organe führen, sondern auch zu einer kulturellen Deformation des Denkens.(Eickhoff 1993)
Ergonomie und Bequemlichkeit

Das Ziel der Ergonomie ist ein besseres Leben...Das ergonomsische Paradies ist die DIN-Norm, die zwischen den Extremen einen Raum schafft, ein „abgesichertes“ Intervall der Menschengerechtigkeit. Belastungsabwehr schafft nach dieser Auffassung Komfort. Tatsächlich schafft man einen Ort der lauen Empfindungslosigkeit, einen Ort ohne Kontraste und körperliche Erfahrungen.

Und so geht man auch mit dem menschlichen Körper und seiner Bewegung um. Bewegungserfahrungen werden vermieden. Bewegung ist Energieverbrauch. Energieverbrauch belastet den Kreislauf und macht müde. Also spart man Bewegung und Energie und man spart so auch Platz. ...
Ergonomische Gestaltungspraxis macht also die Schwerkraft zum Feind des Menschen. Man arbeitet nicht mit ihr, man arbeitet gegen sie. Die Erfahrung von Gravitation ermüdet, und das hält man für störend. Stehende Arbeit gilt nach dieser Auffassung als unzumutbar und inhuman. Wie die sitzende Arbeit auszurüsten ist, wird in Büro und Verwaltung durch Normen geregelt.

Das DIN-genormte Bürostuhldesign reduziert den gewichtsbedingten Druck auf den Unterkörper des sitzenden Menschen durch den Einsatz von Federung, Polsterung und die abgerundete Ausformung der Sitzfläche. Zuugleich wartet der ergonomische Bürostuhl mit zahlreichen technischen Raffinessen auf, deren Absicht ist, den Oberkörper durch Wipp-und Schaukelvorrichtungen sowie anatomisch geformte Stützen für Rücken und Arm zu entlasten.
Der Drehpunkt für diese Wipp-und Schaukelbewegungen liegt in der Regel nahe dem Körperschwerpunkt. Der sitzende Körper rotiert um eine Achse, die sich in dem schmalen Raum zwischen Kniehöhe und Taille befindet. Der Büromensch schwankt also um eine Stütze, die den Körper vor der Schwerkraft schützt. Nicht die Gravitation wird in der Bewegung erfahren, sondern Flieh-und Rotationskräfte. Der ordnende Faktor Schwerkraft wird mit Hilfe von Technik ausgeschaltet.
Das ist der Komfortbegriff, der sich an der Schwerelosigkeit im Weltraum orientiert und den sitzenden Menschen zu schädlichster Passivität verurteilt. Der ergonomische Bürostuhl zwingt den Menschen zu einer letztlich andauernden Form der Unbequemlichkeit. Seine Rückenmuskulatur verkümmert. Fundamental für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen ist der aktive und subkortikale Umgang mit der Schwerkraft. Stühle, insbesondere moderne Bürostühle, lassen diese Quelle der menschlichen Leistungsfähigkeit in der Regel ungenutzt.

Im Benimmkatalog der Verwaltungen sind diese Verhaltensformen (i.e. Entlastungsbewegungen) nicht vorgesehen. Ein Mensch, der „anständig“ sitzt, realisiert einen rechten Winkel an Fuß (flache Schuhe), Knie, Hüfte und Ellenbogen. Die Füße stehen parallel auf dem Boden. Allenfalls können sie auf einer Fußbank abgestellt werden. Den Winkel an der Hüfte darf der ergonomisch „korrekt“ sitzende Mensch mit Erlaubnis der DIN-Norm, die schablonenmäßig eine mittlere, vordere und hintere Sitzhaltung vorsieht, inzwischen geringfügig korrigieren...
Kieser spricht von der „Seele der Muskeln“ und betont, dass die Leichtigkeit des Lebens mit der Leistung der Muskeln zusammenhängt. Ohne Bewegung verkümmern unsere Muskeln und ohne Muskelkraft sind wir der Schwerkraft gegenüber hilflos. Wir verschwenden unsere Energien in einem sinnlosen Kampf gegen den körperlichen Verfall.“

(Barbara Tietze, Der vertikale Horizont. Die Funktion der Schwerkraft
für Entfaltung und Wohlbefinden des Menschen. Vortrag 2003)


 
Analyse des Sitzens

„ In unserer gewöhnlichen Sehweise hat das Sitzen seinen kulturellen Charakter abgestreift und erscheint als naturhafte Haltung. Eine Analyse des Sitzens wird dadurch erschwert, dass die Wirklichkeit den Schein aufrechterhält, da für den im Sitzen Geübten, und nur für ihn, das Sitzen komfortabler und damit natürlicher als jede andere vergleichbare Position erscheint. So gibt sich ein Objekt unter den Möbeln den Anschein, als sei es ein im höchsten Maße gewöhnliches und natürliches Möbel: der Stuhl. Allerdings kommt es gerade ihm am wenigsten zu.“

„Sitzen ist Schwerarbeit. Seine Auswirkungen: Verfestigung der Skelettmuskulatur, reduzierte und geformte Atmung und Neuordnung der Sinne zueinander. Der Stuhl fasst dabei den Sitzenden ein, legt sich wie eine Schablone auf das Vegetative und schneidet so in die Physis, dass Funktionen geformt und gehemmt werden.
Das Umlenken der Körperlast von den Füßen auf das Gesäß entlastet die Beinmuskulatur, schwächt sie aber zugleich und greift in funktionelle Zusammenhänge der Skelettmuskeln ein. Da das Sitzen die Gesäßmuskulatur chronisch verspannt und die Bein-und Rückenmuskeln schwächt, lässt sich der menschliche Leib nicht mehr dynamisch von unten nach oben aufbauen: Das Becken verliert seine Stabilität auf den Hüftgelenken, die Wirbelsäule ihre Elastizität auf dem Becken, und der Kopf ruht nicht mehr gut balanciert auf dem Atlas. Der Homo sedens verliert im Stehen seinen Halt und erlebt Sitzen zunehmend als Bedürfnis.

Sitzen führt zu Spannungen im Beckenboden, die die Kniebeugemuskeln kontrahieren und hemmend auf das Sonnengeflecht einwirken, das die Verdauung und die Atmung steuert. Gleichzeitig wird der wichtigste Einatmungsmuskel, das Zwerchfell, in der Vertikalen, seiner Hauptdehnungsrichtung, eingeschränkt und die Atmung reduziert.  So engt das Sitzen auf verschiedenen Wegen die Atmung ein und verleiht ihr einen spezifischen Rhythmus. Einmal eingeleitet, führt der Prozess rasch in die Krise, da er von zwei Seiten her, die sich wechselseitig stärken, gestützt vwird. Die Muskulatur verliert infolge einseitiger Belastungen wesentliche physiologische Eigenschaften, durch die die Atmung weiter reduziert wird, während die Einschränkung der Atemtätigkeit die Muskelverhärtungen fördert.

Atmen ist Leben und Bewegen...Die Atmung spiegelt jede Anstrengung eines Organismus und dessen Gefühl wider, und man atmet nur richtig, wenn die Muskulatur das Skelett der Schwere gemäß organisiert.. Darüber hinaus reicht die Atmung tief in vegetative Prozesse hinein. Wenig atmen heißt nicht nur, das Energieniveau richtig halten, sondern der Atem verfügt neben der Fähigkeit, die Muskeln zu festigen, auch über die Qualität, Emotionen zu regulieren. Schon Kinder wissen, dass man, um Angstgefühle zu vermeiden, den Atem anhalten muss. Von der Peripherie her wird jeder Sitzende mehr und mehr ins Innen hinein verfestigt.

Der Gesamtorganismus wird über die Abnahme sowohl der willkürlich als auch der unwillkürlich gesteuerten Muskelbewegungen (Motilität) in seinem Rhythmus gestört. Und die Impulse aus dem Vegetativen sind nur noch gehemmt ausagierbar. So formt das Sitzen, das immer dem Gesamtorganismus widerfährt, von zwei Seiten her den Leib und unterwirft ihn einer neuen Ordnung. Allerdings bedarf es zur Herstellung einer so engen verschränkung von Atemtätigkeit, Haltung, Muskelbeschaffenheit und Empfindung eines regelmäßigen, in der Kindheit beginnenden, nicht eines nur sporadischen Sitzens.“ (Hajo Eickhoff)

„...dass von den vielen Kulturen der Menschheitsgeschichte nur die europäische das alltägliche Sitzen auf Stühlen ausgebildet hat, mag als Indiz dafür genügen, dass Sitzen weder bequem noch natürlich ist, noch dazu dient, die Beine zu entlasten...Stühle sind die Throne der Masse.“ (s.10)
In Ägypten ließ man nur Pharaonen und Götter sitzen. Das Volk durfte dagegen jene Haltung einnehmen, die bei den Ägyptern von jeher, bis heute, Brauch war: das Hocken. (S.11)
 
Das mönchische Sitzen: Miserikordie nennt man die Verbreiterung der Sitzbrettvorderkante, die im Chorstuhl neben dem Stehen, Knien, Sitzen und Hängen eine fünfte Haltung erlaubt: bei vertikal gestelltem Sitz kann man auf der Vorderkante, dem Sitz der Barmherzigkeit, eine mittlere Position zwischen Sitzen und Stehen einnehmen. (S.113)

Da man nach der Regel Benedikts beim Gottesdienst vorwiegend während der Lesungen sitzt, bleibt die zeit, in der die Mönche stehen, lang, so dass der Sitz nicht dem Zweck körperlichen Komforts dient, denn Entlastungen der beine während des ausgedehnten Psalmsingens erlaubt weniger das Sitzen als die sitzähnliche haltung auf der Miserikordie. Diese ermöglicht im Stehen ein heimliches Sitzen und vermittelt zwischen beiden Positionen. Langfristig nimnmt sie den Mönchen die Fähigkeit, lange stehen zu können. Sie setzt den klappsitz voraus... (S.114)

Benedikt fordert das Sitzen an dem ort, an dem man ursprünglich steht, kniet oder sich zu Boden wirft. Mit der Aufwertung des saitzens schaffte er bewdingungen für die Klosterfähigkeit des Sitzens und führt eine Haltung ins Kloster ein, die sich an thronenden Göttern und weltlichen herrschern orientiert. (S.115)
Im Blick der Anatomie besteht das Charakteristikum des Sitzens in der zweifachen Abknickung des

(Hajo Eickhoff (1993): Himmelsthron und Schaukelstuhl. Die Geschichte des Sitzens. Hanser. München.Wien)



Thrombosen und Embolien

Fallbeispiel: Bei einer Expedition zu einem 8000er waren einige Bergsteiger vor dem Gipfeltag wegen einer Schlechtwetterperiode im letzten Hochlager mehrere tage lang im Zelt blockiert. Mit angezogenen Knien harrten sie eng beieinander sitzend aus. Als sich dann das Wetter endlich besserte, verließ der Erste das Zelt – um schon nach wenigen Metern tot zusammenzubrechen. Sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen blieben leider erfolglos. Dieser verlauf ist typisch für eine akute Lungenembolie im Rahmen einer tiefen Venenthrombose.

Hinweis. Aus der Reisemedizin kennt man seit vielen Jahren den begriff der so genannten Reisethrombose. Als Folge einer über Stunden anhaltenden Immobilität bei langstreckenflügen, Busreisen usw. entwickeln manche Passagiere Thrombosen und anschließende Lungenembolien.
Bergsteigen in großen Höhen geht häufig einher mit einer zu geringen Trinkmenge. Das Blut dickt ein, messbar durch einen erhöhten Hämatokrit und Veränderungen der Blutviskositäät, was zu einer Abnahme der Fließeigenschaften führt. In Folge können sich durch zusätzliche Immobilität Thrombosen der tiefen beinvenen entwickeln, wie z.B. beim Sitzen mit angewinkelten Knien. Bei Trekkingtouren sind Thrombosen extrem selten, die teilnehmer sind meist täglich i n Bewegung und die Trinkmenge stellt selten ein Problem dar. Anders ist die Situation bei Expeditionen, wo die Dehydratation häufiger vorkommt. Schnee zu schmelzen ist ein langwieriger und in diesen  Höhen auch ermüdender Prozess, den niemand gerne macht. So sind Lungenembolien beim Höhenbergsteigen wahrscheinlich die häufigste internistische Todesursache. Allerdings sind nsie zahlenmäßig gegenüber Todesfällen durch Lawinen, Steinschlag, Spaltenstürzen und Höhenerkrankungen deutlich seltener. (S. 378) (Th. Küpper-K.Ebel-U.Gieseler (2010): Moderne Berg-und Höhenmedizin. Gentner. ,Stuttgart)
„Die Venen...Die Tätigkeit der Muskulatur ist für den Abfluss der Beinvenen besonders wichtig. Bei Menschen, die hauptsächlich sitzen oder lange Zeit unbeweglich stehen müssen, ist der Blutabfluss behindert; es kommt zu Stauungen: die Hautvenen werden weit und geschlängelt, das Blut noch kohlensäurereicher, was den Gefäßen ein besonders dunkelblaues Aussehen verleiht. Der Blutzufluss zu den Haargefäßen stagniert ebenfalls; so werden dann die Gewebe nicht genügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, und die Muskulatur neigt zu Krämpfen. Deshalb heißen diese gestauten Venen Krampfadern. Eine geringe Entzündung kann dabei wegen der schlechten Kreislaufverhältnisse zum schlechtheilenden, mächtigen Geschwür werden.“...
„Das Oberschenkelbein (Femur) ist der stärkste und größte Knochen des menschlichen Körpers; seine Länge schwankt in relativ größerem Ausmaß als die anderen Körperknochen....

Als Beuger am Hüftgelenk kommt vor allem der Hüftlendenmuskel (M. iliopsoas) in Frage. Er besteht aus zwei Teilen: Der Lendenmuskel (M. psoas) entspringt von den Seiten der Lendenwirbel und des letzten Brustwirbels; die beiden Lendenmuskeln liegen an den Seiten der Wirbelsäule und bilden damit einen Teil der Bauchhöhlenrückwand. Der Innere Hüftmuskel (M. iliacus) entspringt von der Innenseite der Darmbeinschaufel...

Der wichtigste Strecker am Hüftgelenk ist der Große Gesäßmuskel. Er entspringt von der hinteren Außenseite des Darmbeins, vom Kreuz-und Steißbein...Er ist nicht nur bei der Aufrichtung in der Hüfte aus gebeugter Stellung notwendig, sondern auch für die Aufrechthaltung; er kommt deswegen nur beim Menschen in dieser Stärke vor. Außerdem ist er der Hauptmuskel für die Rückführung des Beines beim Gehen und Steigen. Beim Treppensteigen hat er die Aufgabe, mit der Durchstreckung der Hüfte das Körpergewicht in die Höhe zu heben.“

(Mörike-Mergenthaler, Biologie des Menschen)

„Anzunehmen, dass die Sitzhaltung die beste aller Arbeitshaltungen ist, scheint nicht gerechtfertigt zu sein. So stellt ein prominenter deutscher Ergonom etwa fest:“Das Sitzen ist die ungesündeste Ruhehaltung. Der menschliche Körper ist entwicklungsgeschichtlich für das Gehen prädestiniert, für dynamische kraftvolle Bewegung und gelegentliches Ausruhen in unterschiedlichen Körperhaltungen“. Weiters führt er jedoch aus:“Das Sitzen ist leider die einzige Methode, den Körper für ortsfeste Arbeiten geeignet zu unterstützen.“ Diese konträren Aussagen sind sicherlich dazu geeignet anzudeuten, dass sich für die Gestaltung des Sitzarbeitsplatzes keineswegs eine eindeutige „Richtige Lösung“ anbieten kann.“

(Walter Hackl-Gruber, Ergonomie aktuell)
 
„Gegen die rein statische Betrachtungsweise der idealen Sitzposition spricht auch noch das Bedürfnis des Zentralnervensystems nach einer andauernden Änderung der Informationsmuster aus den Rezeptoren. Gleichartige und gleichmäßige Informationen wie die Fixierung der Wirbelsäule in der gleichen Sitzhaltung ermüden...Durch die Haltungsänderungen erreicht der Bewegungsapparat andauernd örtliche und zeitliche Verschiebungen der Belastungsspitzen.“ Nach diesem Prinzip folgen die sogenannten Ausgleichsbewegungen, beim Kind das unruhige Sitzen, das die Lehrerin auch als „Herumwetzen“ bezeichnet.
Ein Sitzmöbel muss die Möglichkeit bieten, eine Normalhaltung beim Sitzen zu gewähren, darüber hinaus Ausgleichsbewegungen oder Änderungen der Sitzpositionen zu gestatten.“

(Dr. med. Hans Tilscher, Ergonomie der Sitzmöbel)
 
„Prinzipiell ist das Stehen dem Sitzen vorzuziehen, die Steher kriegen aber Probleme mit den Knien; das Sitzen müsste man möglichst reduzieren; nirgends steht geschrieben, dass man in der Schule ständig sitzen muss; das ist ein Vorwurf an die Schule, dass man sich aus dem organisatorischen Schwachsinn Sitzen ein bisserl löst....Sitzen ist etwas ganz Dämonisches, weil es die Bandscheiben so stark belastet. Wir brauchen ausreichend Zeit, unsere Bandscheiben zu regeneriern und wer viel sitzt, braucht dazu umso länger. Dann müssten die Regenerationsphasen länger werden, sie werden aber nicht länger....im Liegen saugt die Bandscheibe Flüssigkeit auf...Autosesselhersteller haben keine Ahnung von Orthopädie. Die Sitze sind der Fehlhaltung möglichst angepasst, man sitzt genauso drin, wie man es nicht haben will. ..Wenn ich weiß, dass etwas nicht gut ist, dann muss ich das ändern. An das Sitzen kann man sich nicht anpassen, das Sitzen ist eine Noxe, ist schlecht für Hüfte und Kreuz und muss bekämpft werden... Das Problem der hierarchischen Häuser wie der Krankenkassen ist die Veränderung.“

(Dr. med. Martin Pinsker, Vortrag)
 
„Die Verrechtlichung ergonomischer Erkenntnisse suggeriert Gerechtigkeit, die jedoch von der Realität nicht eingelöst werden kann. Der Stuhl, der den gesetzlichen Anforderungen genügt, ist vor allem ein Massenprodukt. Seine Anpassung an die Bedürfnisse und den Körperbau des Menschen ist Augenwischerei und allenfalls eine statistische Fiktion...

Die Leitvorstellung für eine angeblich gute Körperhaltung ist der rechte Winkel – und zwar im Knie, in der Hüfte und im Ellenbogen. Die Füße sind ein Körperteil, das man auf dem Boden bzw. unter dem Tisch abstellt. Das Leben auf dem Bürostuhl findet lediglich oberhalb der Gürtellinie statt, es besteht aus einer vorderen, hinteren und mittleren Sitzhaltung. Das neue „dynamische“ Sitzen wird als Wechsel zwischen diesen drei Haltungen beschrieben. Unterhalb der Gürtellinie befinden sich die Druckstellen...

Der moderne Bürostuhl mit seiner langen Forschungsgeschichte ist ein eher tragisches Möbel...Der Fuß ist ein Maßstab für Lebensqualität...Und doch: Weder Umweltplanung,  noch Architektur und Innenarchitektur, weder das Möbeldesign noch die Kultur der Büromaschinen lassen eine nennenswerte Phantasie für die Körperteile erkennen, die sich unterhalb des Bauchnabels befinden....

Man reduziere die Muskelarbeit und die Bewegungen. Das ist die Botschaft der Ergonomen. So wird ein „menschengerechter“Arbeitsplatz heute organisiert: Als gut gilt eine Arbeit im Sitzen...

Wenn man körperliche Erfahrungen einseitig wegrationalisiert, sinkt die Kreativität, es sinkt die Konzentration, es steigen die Ermüdbarkeit und die mentale Belastung. An die Stelle der Erschöpfung tritt der Stress, und der ist nicht naturwissenschaftlich „messbar“ und damit nicht mehr relevant. Es enstehen darüber hinaus Gesundheitsprobleme insbesondere im Wirbelsäulenbereich, die nicht dadurch auszuräumen sind, dass man den Stuhl verbessert. Es müssen vielmehr Arbeitsabläufe geschaffen werden, die auch positive Herausforderungen für den Körper des Menschen darstellen...

Bislang waren es hauptsächlich Frauen, die den einseitigen Belastungen der sitzenden Arbeit an Büromaschinen ausgesetzt waren. Das wird sich in naher Zukunft durch die Verbreitung des Computers auf Sachbearbeiterebene vermutlich ändern...

Für den Menschen schädlich sind Corporate-Identity-Konzepte, die zu der einheitlichen Möblierung mit einer Sorte Bürostuhl zwingen. Derzeit sind Bürostühle durchweg suboptimal konstruiert, da sie nicht auf die Dynamik der Fußbewegungen eingerichtet sind. Förderlich sind Arbeitsabläufe, die verschiedene Stühle und gelegentlich auch stehendes Arbeiten vorsehen. Auch zum Stehpult jedoch muss erste eine neue Generation von addierbaren oder auch „integrierten“Fußmöbeln“ entwickelt werden, die ein abwechslungsreiches Stehen ermöglicht.“ (Barbara Tietze, Menschen ohne Unterleib. Kritik an ergonomischen Planungen für das moderne Büro.)

„Ergonomisch ist also eine möglichst heterogene Möblierung mit Wahlmöglichkeiten zu fordern, die mit einer Stehtischkultur kombiniert wird.“

(Barbara Tietze, Das Büro der Zukunft)
 
„Dieser Transport (der Aufbau-und Abbaustoffe) wird durch sich dauernd verändernde Druckwerte in unseren Geweben garantiert...Durch sich verändernde Kräfte in den Geweben wird der Stofftransport in ihnen und in ihrer Umgebung gefördert. Bei einer über längere Zeit gleichbleibenden Haltung wird der Stoffwechseltransport behindert...

Dem natürlichen Bewegungstrieb der Kinder muss deshalb auch während des Unterrichts Raum gegeben werden. Kinder verhalten sich spontan physiologisch. Auch aus diesen Gründen müssen die Pausen aktiv gestaltet werden.
(Dr. med. Bruno Baviera, Dem natürlichen Bewegungsdrang Raum geben. Grundlagen zur Haltungsschulung)
 
„Mit dem Eintritt in die Schule beginnt für das Kind eine völlig neue „Umwelt“ und Lebensweise. Das Kind wird gezwungen, viele Stunden täglich still zu sitzen und sich möglichst wenig zu bewegen. Wenn schon diese erzwungene Bewegungsarmut für die körperliche (und geistige?) Entwicklung ungünstig ist, so muss das lange „Sitzen“ als direkt schädlich bezeichnet werden...

Überhaupt muss die europäische Art des Sitzens als durchaus unphysiologisch bezeichnet werden, da sie mit einer Beckenkippung nach rückwärts verbunden ist. Was z.B. die Wirbelsäule und die „Haltungsmechanismen“ betrifft, ist der sogenannte „Türkensitz“ wesentlich physiologischer, noch mehr aber der „Reitsitz“. Dies wusste auch GOETHE, der bekanntlich einen Reitssattel auf einem hohen Hocker benutzte, wenn er an seinem Schreibpult (mit schräggestellter Pultfläche“) arbeitete. Diese Form der Sitzhaltung, die am wenigsten „ermüdet“, wird auch ähnlich von vielen Chirurgen beim Operieren eingenommen...

Kein Sport, kein Militärdienst, kein Beruf, keine Freizeitbeschäftigung kann gutmachen, was während der Schuljahre teils versäumt, teils geschädigt worden ist.
H. Spitzy hat vor dem Ersten Weltkrieg erklärt, die „besten Schulmöbel seien jene, in welchen die Kinder nicht sitzen müssen!““

(Dr. med. Hermann Neugebauer, Diagnose, Prävention und Therapie
von Haltungsschäden bei der österreichischen Schuljugend)

 
„Leider haben unsere Kinder kein großes Interesse mehr am Sport. Viele sind durch langes Sitzen in der Schule und zu Hause an den Hausaufgaben und durch Fernsehen und Computerspiele in der Freizeit so entwöhnt von jeder körperlichen Anstrengung, dass sie mit allen möglichen Ausreden versuchen, sich von der Sportstunde, in vielen Fällen der einzigen Bewegungszeit, zu drücken.“

(Brigitte Glas, Schafft den Schulsport ab!)
 
„Der Angestellte wird am Bildschirm-Arbeitsplatz zu einem Teil eines Mensch-Maschine-Systems, was unter anderem mit längerdauernden Zwangshaltungen verbunden ist. Zwangshaltungen sind in ergonomischer Sicht statische Haltearbeit der Muskulatur, bei welcher die Durchblutung und damit die Regenerationsvorgänge gedrosselt sind. Aus diesem Grunde treten nach längerdauernden Zwangshaltungen schmerzhafte Ermüdungserscheinungen in der belasteten Muskulatur auf.
Dauern die Zwangshaltungen über Monate und Jahre an, so können Verkrampfungen und Verhärtungen der Muskeln sowie entzündliche Prozesse in den Gelenken oder an den Sehnen auftreten. Diese gesundheitlichen Störungen müssen als krankhafte Abnutzungserscheinungen des Bewegungsapparates gewertet werden.“

(Etienne Grandjean, Ergonomie am Bildschirm-Arbeitsplatz)
 
„Stühle sind die Stützen der Gesellschaft. Krücken wäre vielleicht das passendere Wort. Am Strand oder in den Bergen bringen wir es fertig, für die Dauer eines Picknicks ohne Lehne auszukommen. Nicht so im täglichen Leben. So selbstverständlich erscheint uns diese Abhängigkeit von Stühlen, dass es uns nicht einfallen würde, unser Anlehnungsbedürfnis als kulturelles Gebrechen zu erkennen. Die vermeintliche Unentbehrlichkeit des Stuhls hat ihn zum Symbol der westlichen   Zivilisation gemacht und somit gegen Kritik gefeit.

Der Begriff der Bequemlichkeit ist nicht nur dehnbar, er ist schlechthin undefinierbar. Nichtsdestoweniger ist „bequem sitzen“ der Inbegriff des Wohlbehagens. Dieses Behagen, das wir dem Anlehnen zuschreiben, ist jedoch, wie so ziemlich alles, was Komfort betrifft, auf nichts Konkretes gegründet als auf ein allgemeines Übereinkommen, und da wir nun einmal unsere Bequemlichkeit nicht aufgeben wollen, haben wir sie mit eine wenig Selbstbetrug zu einem Attribut von Überlegenheit pervertiert. Kein Wunder, dass wir auf Menschen, die ein sesselloses Dasein führen, herabschauen. Obzwar das Sitzen auf Stühlen eine anerzogene Gewohnheit ist, lässt sie sich nicht weniger schwer abschütteln als die Abhängigkeit von Drogen. Das Wort „Bequemlichkeit“ zerfließt wie ein Bonbon auf der Zunge all jener Menschen, die unsere Wohnkultur besingen. Es ist ein Schlagwort, das alljährlich Millionen von Sitzgelegenheiten verkauft. Bequemlichkeit hat zusehends die Bedeutung von Unbeweglichkeit angenommen und ist schließlich zu einem Euphemismus für Trägheit geworden.

Die Frage nach der Zweckmäßigkeit(der Möbel) kommt gar nicht auf. Besonders der Stuhl – ein Danaergeschenk – hat unsere blinde Devotion.
Das goldene Kindesalter ist eine Zeit von Ermahnungen und Drohungen, Zwangsfütterung und erzwungenem Stillhalten, denn „artig sitzen“ ist ein Gebot des guten Benehmens. Doch ist von den sado-pädagogischen Folterinstrumenten früherer Generationen, den Geradehaltern und Miedern, den Käfigen, die als Gehschule dienen, nur mehr der Kindersessel übriggeblieben.“

(Bernard Rudofsky, Sparta/Sybaris. Keine neue Bauweise, eine neue Lebensweise tut not)

„The substantial investment in ergonomic office furniture could possibly be better directed toward inventing an entirely new system to promote movement at work and at schools.“(p.18)
 
„This perspective might tempt us to conclude that chairs are a lost cause, a wrong turn humankind took millenia ago. But the fact is that sitting in chairs is now deeply ingrained in Western culture, and even prized as a symbol of modernization around the world.  So even if chairs should - from a purist point of view – be abandoned because they create so many problems, from a pragmatic point of view we need to explore how they can be fixed, or at least improved. Doing so will require a fundamental rethinking of the concept of comfort.“ (p.19)
 
Having to sit at tables and chairs is the most common source of physical stress for children, and probably for adults too, for that matter. But children, being young, are particularly deformed by stressful postures.“ (p. 62)
 
Dr. A.C.Mandal, a contemporary Danish physician, findes the strain of sitting so deleterious, in fact, that he wants to give it up as a routine posture and substitute perching.“ (p.63)
 
„Our bodies are not made to stand still. Our bodies are made to move....Stand up! They want you to sit down all day,“ he cries, confirming Sid’s lament that the firm has got him locked in, „chained to his seat.“ (p. 55)
 
„...the height of a chair’s back is one of the „essential indicators of high social status.“(p.58)
 
„Insofar as the chair stabilizes posture, it contributes actively and directly to disorders of the eye, back, and wrist. People cannot take advantage of ergonomic chairs, with some capacity for movement built in, because their eyes and hands become entrained with the keyboard and screen they are working on....It is exaggerating only a little to say that man has now become part of the machine and no longer disengages from the keyboard and terminal.“(p.59)
 
„This process of socialization to passivity starts early in schools, where the first task is not to teach children content, but to teach them orderly behavior – specifically, the ability to sit still for long periods of time.“ Don Johnson, an American philosopher...at the California Institute of Integral Studies in San Francisco, also fears that the way in which children sit at school is evidence of a disturbing educational philosophy. He sees the practice of sitting quietly in rows of seats as primarily a way for teachers to maintain authority and keep radical ideas safely contained. He would like both students and teachers to have the freedom to move around energetically.“(p.60)
 
„Thanks to a detailed study of what a seven-year-old boy did at school and at home over the course of one day...we can scroll back in time to see, minute by minute, how a teacher regulated student’s posture....One of the most striking points is that the teacher continuously monitored the first and secons graders’ peosture, frequently telling them to „sit up straight“, „settle down“, and „get in position.“ Anothe striking pattern is that on his own, the boy Raymond never sat. All play – at home, on the courthouse grounds, school, and a vacant lot –involved running, skipping, hopping, jumping, twisting, dipping, and generally cavorting to entertain himself kinesthetically. In fact, the only times Raymond ever sat in a chair were at the dining table at home and at his desk at school. Children have little natural inclination to sit in chairs, so it’s little wonder schoolteachers have to invest so much time and effort to get them to stay still there.“(p.61)

„Part of the definition of being an adult is sitting in a chair – a primary lesson in the unspoken curriculum of schools.“(p.61)

„In the home, in the office, and in schools, social purposes override physiological comfort when it comes to chair design. Even in zero gravity, where there is not up or down, no floor or ceiling, and the body swims in space, the Earth-based designers decided to put a chair into the first space capsule of astronauts in order to make the occupants feel at home. Once it proved absolutely useless in outer space, the chair was dropped from future missions. Maybe after a few more centuries of experimentation, mankind will come to the same conclusion.“ (p.64)
 
Style: „If the shape of a chair communicates the right message, we don’t care how it feels physically. How it feelsemotionally is what counts...Sociologists have included chairs as a non-verbal indicator of either social rank or of traditional versus modern identity.“ (p.67)
 
„I have since developed an opposing view: the chair, not the body, is the problem. Thus, if people are „unstable“ because they move frequently, chairs should accomodate that movement. Chairs that fail to offer that flexibility can harm our bodies. I have come to believe that chairs are hazardous to our health, and I do not believe that bour bodies compromise the success of our otherwise skillful solutions.“(p.95)

„We can’t sit upright simply because wqe have grown accustomed to being supported by chairbacks.“ (ib.)
T. hettinger, a German researcher, has identified three sources of diseases of the spine: carrying weight, vibration, and „enforced (unnatural) posture, including continuous sitting.“ (98)
 
„A team of Swiss researchers were among the first to confirm that the constrained sitting postures used at video display terminals (VDT) workplaces and in full-time typing were associated with physical impairment of the hands, arms, shoulder, and neck. Despite all this diverse evidence that prolonged sitting is the problem, when trying to account for low back pain, medically oriented epidemiologists still seek structural rather than behavioral explanations. That is, they look for explanations such as leg-length difference and whether or not a person has been in an automobile crash.“(98)

„Holding any posture for prolonged periods without redress or remedy is, I’m convinced, a major cause of chronic muscle pain and spasm.“ (100)

„The ninety- degree sitting angle atv the hip joint exerts pressure on the diaphragm and all the natural functions of the internal organs in and around the stomach area are restricted. The lower the chair, the worse it is. This again means that by restricting the natural functions of the internal organs the blood circulation is reduced, which in turn causes a decreased oxygen supply to the head. This results in a person becoming tired more quickly.“(100)

„Ergonomic furniture has created back problems because it succeeds too well in supporting the body in one position.“ (105)

„Chairs are one of the most direct negative ciltural influences on children’s use, hence on their morphlogical development.“ (126)

„Nevertheless, sitting in any chair for more than a short (ten-minute) interval is likely to begin to have negative effects on our physical self, hence your mental self, and at a minimum reduce your awareness of physical and emotional sensations.“ (127)
“I. Rolf claimed that gravity was essential to the upright posture. If we look at what happens to the body without gravity in outer space, a number of interestinmg health and postural problems emerge. After about ninety days in zero gravity, humans begin undergoing osteoporosis; without tension on the bones they start losing calcium. Their bodies begin to elongate. This kind of evidence indicates that gravity is not our enemy...“ „Chairs obviously can and do have an adverse effect on our dynamic structure when they allow gravity to deform us.“ (128 f.)

„Changing positions is essential for the health of our spinal discs.“ (131)

„Practically speaking, the worker should sit and stand alternately.“(ib.)

„Whether sitting or standing, we should have our feet on the floor.“ (134)

„Overdesigned chairs hold or cradle the body, which promotes stasis rather than movement. Static postures may be the most generic and troubling of all since stasis reduces variation nin muscular work, corculation of the blood, motility (the inherent movement of fluids), and, thereby, energy. The chair might be better conceived and designed with bthe understanding thatv tonus, an equal distribution of effort, is better than no work at all. The chair could be understood as an athletic device for promoting movement – not just external, but also internal. The chair could even become a way to tune in to the vast interior universe of the body.“ (136)

„Scott Donkin, the chiropractor who wrote Sitting on the Job, offers many such suvival Tipps for the office worker, although he accepts the scenario of seated work as a given.“ (163)

„Dr. Colin James Alexander argues that chair sitting is responsible for varicouse veins, and that vthe damage is done primartily in childhood, specifically by school furniture. If varicose veins are a preventable disease, then, according to Alexander, we are obliged to liberate children from the right-angle seat in schools.“(198)

„For instance, voirtually every activity engaged in in the promary classroom could be done either sitting or standing, and several could be done lying down.“(199)

„A few ergonomic researchers have recognized that not only workstation design, but also job design and health education would be required to make sure that everybody gets to change positions regularly.“(206)

„If the office worker really were to be liberated from the tyranny of the chair, fundamental and tumultuous job redesign on a large scale would be necessary.
When we begin adjusting the hight of tabletops, we are asking to change Western culture itself.“(208)

„Social movements are leaderless groups in some insurgent relation to established institutions, and by this defiinition I am not sure that the cause of freeing oneself from the tyranny of chair sitting will ever become a real social movement. (211)

(Galen Cranz, The Chair. New York. London 1998)

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